Warum Sie Kurkuma Kapseln mit Piperin meiden sollten

Kurkuma und schwarzer Pfeffer

Die geballte Naturkraft der Kurkuma Wurzel ist derzeit in aller Munde. Zurecht!

Denn Kurkuma soll gut sein bei Magen-Darm-Beschwerden, Rheuma und kann sogar beim Abnehmen helfen.

Doch um die Wirksamkeit zu steigern arbeiten manche Hersteller mit bedenklich hohen Mengen an isolierten Scharfstoffen (insb. Piperin).

Was aber Viele nicht wissen: Isoliertes Piperin in hohen Dosen kann gesundheitsschädlich sein.

Warum enthalten so viele Kurkuma Präparate überhaupt Piperin?

Grund dafür ist, dass Piperin die Bioverfügbarkeit der Knolle steigern soll. Den Grundstein für diese Annahme legte eine Studie aus dem Jahre 1998, die ausgerechnet vom bekanntesten Pfeffer-Extrakt-Hersteller – SAMI Chemicals in Auftrag gegeben wurde.

Hier wurde untersucht, ob durch die Zugabe von Piperin die Bioverfügbarkeit von Kurkuma gesteigert werden kann.

Der Haken: Nur 8 Personen nahmen an diesem Experiment teil. Außerdem konnte seither keine einzige Forschungsgruppe diese Studie bestätigen.

Das Ergebnis zeigte, dass trotz Zugabe von 20 mg Piperin, einer Dosis welche die offizielle Empfehlung des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) um 1000% übersteigt, nur eine geringfügige Steigerung der Curcumin-Werte im Blut nachgewiesen werden konnte.

Das BfR empfiehlt Erwachsenen nämlich nicht mehr als 2 mg isoliertes Piperin pro Tag durch Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Schwangeren wird ganz davon abgeraten.

Was ist eigentlich Piperin?
Piperin ist der Hauptwirkstoff im schwarzen Pfeffer. Haushaltsüblicher schwarzer Pfeffer enthält meist 2-9% Piperin. Heutzutage ist er dafür bekannt als möglicher Verstärker von Wirk- und Nährstoffen zu fungieren.

Steigert Piperin die Bioverfügbarkeit verlässlich?

Die Bioverfügbarkeit von Kurkuma wird durch Pfeffer nur marginal gehoben. Professor Dr. Jan Frank vom Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft der Universität Hohenheim beschäftigt sich seit Jahren mit der Aufnahme von Curcumin im Körper.

Dem Hessischen Rundfunk erzählte er in der Sendung „Die Ratgeber“ vom 28. Mai 2019 über die Wirksamkeit von Piperin und Kurkuma:

„In Pfefferstudien sehen wir den Effekt nicht. Es ist eher ein Marketing Gag, der im Internet sehr breitgetreten wird.“ (2)

Halten Sie beim Kauf von Kurkuma Kapseln die Augen offen und fallen Sie nicht auf Versprechen rein, die Ihnen eine hohe Bioverfügbarkeit mit Piperin verkaufen wollen.

Denn Piperin in hohen Dosen kann zu unbeabsichtigten Konsequenzen für ihre Gesundheit führen.

Welche Nebenwirkungen hat Piperin?

Piperin hat in geringen Mengen durchaus gesundheitsfördernde Eigenschaften.

Steigert man die Dosis jedoch erheblich, erhöht der Scharfstoff die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Auf diese Weise gelangen Fremd- und Wirkstoffe besser ins Blut.

Aber auch Abbauprodukte von Bakterien können so den gleichen Weg nehmen und sich im Organismus ausbreiten. Dadurch entstehen unnötig Entzündungen im Körper.

Da Piperin den Abbau von Wirkstoffen im Körper hemmen kann, sind auch Wechselwirkungen mit Medikamenten oft die Folge.

Frau mit Bauchschmerzen

Die Wirkung folgender Medikamentengruppen kann durch Piperin negativ beeinträchtigt werden:

  • Bekannte Entzündungshemmer gegen rheumatische Erkrankungen und Arthrose
  • Wirkstoffe gegen Heuschnupfen und andere Allergien
  • Herz,- Rhythmus Mittel
  • Mittel gegen Osteoporose
  • Chemotherapeutika bei Krebs (Brust-, Eierstock-, Magen-, Lungenkrebs etc.)

Genau aus diesem Grund sollte vor Einnahme von Kurkuma Präparaten mit Piperin unbedingt Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker gehalten werden.

Welche Alternative zu Kurkuma mit Piperin gibt es?

Mizell-Kurkuma ist eine wesentlich effektivere Methode, um die Bioverfügbarkeit zu steigern. Prof. Dr. Frank, an der Universität Hohenheim erklärt:

„Unser Körper bildet Mizellen, um fettlösliche Vitamine aufzunehmen. Solche Mizellen sind in … (manchen) Produkten schon mit drin und erleichtern somit die Aufnahme.“ (2)

Prof. Dr. Frank, Universität Hohenheim

Durch Mizellen kann das fettlösliche Curcumin 185 Mal besser ins Blut gelangen. Dies wurde durch die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jan Frank bestätigt, welches zeitgleich ein bisher unübertroffenes Ergebnis darstellt. (3)

Steigen Sie daher lieber auf schonendere Alternativen, wie Mizell-Kurkuma, phytholistisches Kurkuma ohne Pfeffer oder Bio-Curcumin-Pulver ohne Zusätze um.

Aber auch hier gilt: Seien Sie kritisch und fallen Sie nicht auf Falschaussagen rein.

Denn es gibt immer noch Hersteller, die mit einer Steigerung von über 185x werben. Solche Werte wurden aber wissenschaftlich noch nie erwiesen.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung, Das Wissenschaftsmagazin des Bundesinstituts für Risikobewertung, Ausgabe 1/2019, S. 27 https://www.bfr.bund.de/cm/350/bfr-2-go-ausgabe-1-2019.pdf 
  2. HR Fernsehen, Der Ratgeber, 28.05.2019, https://www.hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/die-ratgeber/sendungen/die-ratgeber,sendung-61832.html
  3. Schiborr, C., Kocher, A., Behnam, D., Jandasek, J., Toelstede, S. and Frank, J. (2014), The oral bioavailability of curcumin from micronized powder and liquid micelles is significantly increased in healthy humans (…). Mol. Nutr. Food Res., 58: 516–527. doi: 10.1002/mnfr.201300724