Herzerkrankungen oder in der Fachsprache „kardiovaskuläre Erkrankungen“ sind die Volkskrankheit Nummer eins in Deutschland. Falsche Ernährung sowie eine zu hohe Kalorienzufuhr in Kombination mit mangelnder Bewegung führen zu Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Triglycerid- und Cholesterinwerten und zur Bildung von sogenanntem atherosklerotischem Plaque in der Wand der Blutgefäße. Obwohl die Ursachen hinreichend bekannt und untersucht sind, nimmt die Anzahl von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) stetig zu.

Kurkuma als Antwort auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Eine Veränderung der Lebensgewohnheiten, wie eine Ernährungsumstellung oder gesteigerte sportliche Aktivität, kann viele Risikofaktoren deutlich reduzieren. Um eine solche Lebensumstellung vollziehen zu können, sollte die Ernährung einen überwiegenden Anteil an Obst, Gemüse und auch gesunden Fetten enthalten. Darüber hinaus bieten bestimmte Nährstoffe zusätzlich die Möglichkeit positiven Einfluss auf das Herzkreislauf-System zu nehmen. Zu diesen Nährstoffen gehören auch Gewürze wie Kurkuma, die bereits seit Generationen für viele gesundheitsfördernde Eigenschaften bekannt ist. Denn die Heilknolle wirkt nicht nur entzündungshemmend und hat eine Wirkung bei Krebs, sondern kann auch durch ihre antioxidativen Fähigkeiten die Fettzellen angreifen. Aber wie entstehen Herzerkrankungen und Bluthochdruck überhaupt und bei welchen Herzbeschwerden kann Kurkuma unterstützend oder sogar heilend wirken?

Kurkuma kann den Cholesterinspiegel senken und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.

Was sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Der Sammelbegriff Herz-Kreislauf-Erkrankung fasst eine Reihe von Krankheiten zusammen, die das Herz, die Gefäße oder allgemein den Blutkreislauf betreffen. Dabei muss unterschieden werden, dass es nicht nur erworbene Herzkrankheiten gibt, sondern auch angeborene Herzerkrankungen, wie Herzklappenfehler oder aber auch erbliche Funktionsstörungen der Gefäße. Die größte Anzahl der Betroffenen leidet jedoch an den im Laufe des Lebens erworbenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in den westlichen Industrienationen auch immer noch die häufigste Todesursache darstellen.

Der erhöhte Cholesterinspiegel ist einer der Hauptfaktoren für diverse Herzkrankheiten. Kommt es nämlich auf Dauer zu erhöhten Cholesterinwerten, steigt das Risiko für Atherosklerose, welche wiederum Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen und Thrombosen fördert. Aufgrund der zunehmend an Übergewicht leidenden westlichen Bevölkerung steigt auch das Risiko für erworbene Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Überfettete Fehlernährung und mangelnde Bewegung führen bereits im Kindes- und Erwachsenenalter zur Dysregulation des Fettstoffwechsels. Es kommt zur Einlagerung von Cholesterin, Blutgerinnseln oder auch Calcium in den Gefäßwänden, was zu entzündlichen Vorgängen und zur Einschränkung des Blutflusses führt. Dieser Prozess wird zusammenfassend als Atherosklerose oder Arteriosklerose bezeichnet. Diese Krankheit kann über Jahre stumm im Körper verlaufen und sich erst im fortgeschrittenen Stadium durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen.

Da die Atherosklerose mit degenerativen Veränderungen der Arterien einhergeht, mindert sie auf Dauer die Durchblutung  verschiedener Organe, was zur Unterversorgung des Gewebes führt. Eine der häufigsten Folgeerscheinungen der fortgeschrittenen Atherosklerose ist die so genannte koronare Herzkrankheit (KHK), die auf einen gehinderten Blutfluss in den Koronararterien zurückgeht. Zudem kann es auf Dauer zu einer Herzinsuffizienz, also Herzschwäche, kommen oder auch andauernde Herzrhythmusstörungen nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall ist ein Herzinfarkt die Folge einer KHK. Da diese Erkrankung ebenfalls über lange Zeit unauffällig verlaufen kann, ist es umso wichtiger, bereits früh ihrer Entstehung entgegen zu wirken.

Kurkuma bei erhöhtem Blutdruck und Arteriosklerose

Nicht nur ausreichend Bewegung, sondern auch eine ausgewogene und gesunde Ernährung können zur Vorbeugung von Herzkrankheiten eingesetzt werden. Hierbei bietet sich die Kurkuma-Knolle mit ihren gefäßschützenden und entzündungshemmenden Eigenschaften optimal als Nahrungsergänzung an. Denn in diversen Studien konnte nachgewiesen werden, dass der gelb-orangene Pigmentstoff Curcumin, der der Kurkuma-Wurzel ihre einzigartige Farbe verleiht, in der Lage ist, unterschiedliche gefäßschützende und blutdrucksenkende Prozesse positiv zu beeinflussen. Diese Vorteile natürlicher Behandlungsmethoden hat auch die westliche Medizin erkannt und sich zunehmend dem potentiellen therapeutischen Einsatz des Polyphenols Curcumin, der die medizinischen Wirkmechanismen in der Kurkuma-Knolle vereint, zugewandt.

Kurkuma hat gefäßschützende und entzündungshemmende Wirkung bei Atherosklerose und koronarer Herzkrankheit.

Wirkung von Kurkuma bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Mittlerweile gibt es eine Reihe von wissenschaftlichen Forschungen, die sich mit den wertvollen Inhaltsstoffen der Kurkuma-Pflanze und deren Wirkung auf die Gesundheit befassen. An der Universität von Granada in Spanien untersuchten zwei Studien die Wirkung des Curcumins auf Arteriosklerose. Dabei beobachteten sie den Effekt dieses pflanzlichen Sekundärstoffs auf die durch Lipoproteine, spezielle Verbindungen aus Fett, Eiweißen und fettähnlichen Stoffen.

Die atherosklerotischen Kaninchen erhielten während der Studie entweder unterschiedliche Dosen eines Kurkuma-Extraktes oder dienten als Kontrollgruppe. Bereits nach kurzer Zeit konnten die Forscher in den mit Kurkuma behandelten Kaninchen-Gruppen deutliche positive Veränderungen erkennen. So wurde nicht nur die Atherosklerose durch Verhindern der Oxidation in den Zellen der Gefäßwände unterbunden – was auf eine antioxidative Wirkung des Kurkuma-Extraktes hinweist. Die Wissenschaftler bemerkten auch den Rückgang der Aorta-Fettsreifen und signifikant geringere Schäden an Brust- und Bauchaorta. Diese Ergebnisse weisen auf eindeutige gefäßschützende Effekte der Kurkuma hin. Die Vorstufen von Herzkrankheiten, wie Atherosklerose und Bluthochdruck, könnten so gut behandelt werden.

Eine weitere Studie befasste sich mit der Wirkung des Curcumins auf die Oxidation der Low-Density-Lipoproteine (LDL), also die Proteine, die für den Transport des Cholesterins in den Blutgefäßen verantwortlich sind. Dabei wurde ebenfalls eine verringerte Lipidperoxidation beobachtet, was schlussendlich zu einem niedrigeren Gesamtcholesterinspiegel geführt hat. Auch hier waren die Forscher optimistisch für den therapeutischen Einsatz des Curcumins. Doch nicht nur Tiermodellstudien konnten eine positive Anwendung des Curcumins aufzeigen, auch Humanstudien untersuchten die Wirkung von Kurkuma auf Menschen.

Kurkuma fördert den Blutfluss und fördert den Blutdruck

In Indien wird die Kurkuma-Pflanze schon seit Jahrtausenden in der ayurvedischen Medizin eingesetzt und ist aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sehr begehrt. Dieses Wissen hat auch die Abteilung für Innere Medizin an der Universität von Indonesien aufgegriffen und bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom in einer randomisierten Doppelblind-Studie einer Behandlung mit Curcumin unterzogen. Dabei erhielten diverse Gruppen unterschiedliche Dosen Curcumin und als Kontrollgruppe wurde ein Placebo zugeführt.

Nach Beendigung der Studie stellten die Wissenschaftler fest, dass eine geringe Dosierung des Curcumins sowohl das Gesamtcholesterin als auch die Werte für LDL senken konnte. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass zu viel Cholesterin in den Arterienwänden langfristig zu Bluthochdruck, schwerwiegenden Herzerkrankungen und einer Belastung des gesamten Herz-Kreislauf-Systems führen kann. Weiterhin kann Curcumin dem altersbedingten Verlust der Gefäßelastizität vorbeugen. Dadurch wirkt es sich unterstützend auf den Blutfluss aus und mindert das Risiko eines hohen Blutdrucks.

Curcumin wirkt bei Übergewicht und beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor

Nicht zuletzt hat Curcumin das Potential, Übergewicht vorzubeugen und sogar effektiv beim Abnehmen zu unterstützen. Da Übergewicht mit zu den Hauptfaktoren bei der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählt, befassten sich bereits zahlreiche Studien mit den Auswirkungen einer Curcumin-Behandlung bei Übergewichtigen oder sogar an Adipositas erkrankten Patienten.

So zeigte eine Studie aus China, dass Curcumin den Energiestoffwechsel positiv beeinflussen kann und somit zu einer Gewichtsreduzierung führen könnte. Denn die so genannte Adipogenese, die Entstehung von Fettzellen, führt langfristig zu schädlichen Fettablagerungen im Körper, die sich wiederum negativ auf die Gefäße und den Blutdruck auswirken. Das Curcumin könnte genau dort angreifen und die Entwicklung dieser Fettzellen unterdrücken, aber auch die Entzündungsreaktionen hemmen, die das Wachsen von Fettzellen fördern.

Eine weitere Studie, die auf einer Verabreichung des Curcumins in Kapselform beruhte, konnte feststellen, dass das Polyphenol sowohl den oxidativen Stress bei übergewichtigen und adipösen Patienten senken ließ, aber auch einen deutlichen Rückgang von Entzündungen im Körper herbeiführen konnte. Dies ist insofern wichtig für die Behandlung von Herz-Kreislauf-Patienten, als dass Entzündungen nicht nur Fettzellen fördern, sondern auch als Vorstufe zahlreicher Herzkrankheiten gelten.

Curcumin lindert Entzündungen im Körper und wirkt unterstützend gegen Übergewicht.

Bioverfügbarkeit von Curcumin bei Herzkrankheiten und Bluthochdruck

Doch wieviel Curcumin ist als Zufuhr nötig, um Herz-Kreislauf-Erkrankung therapieren oder ihnen im besten Fall vorbeugen zu können? Diese Frage stellt Forscher seit Jahren vor Herausforderungen bei der Entwicklung therapeutischer Medikamente. Denn Curcumin gehört zu den Pflanzenstoffen, die eine sehr schlechte Bioverfügbarkeit haben und für den menschlichen Organismus daher nur schwer zugänglich sind.

Seit Jahren ist klar, dass Kurkuma wertvolle Eigenschaften besitzt, die diverse Prozesse im menschlichen Körper positiv beeinflussen können. Doch all die gesundheitsfördernden Eigenschaften nützen wenig, wenn der effektivste Bestandteil der Kurkuma-Pflanze nicht ausreichend dem Körper zugeführt werden kann. Denn das Curcumin ist schwer wasserlöslich und kann daher nur in minimalen Mengen vom Magen-Darm-Trakt resorbiert werden, sodass es weiter vom Körper verwertet werden könnte. Um eine annähernde Wirkung des Curcumins bei Beschwerden oder Erkrankungen erzielen zu können, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Tagesdosis von 3 – 5 g Kurkuma-Pulver täglich. Diese Dosierung ist im Alltag allerdings nur schwer umsetzbar. Zusätzlich kommt die mögliche starke Verfärbung durch das Pulver und diverse zugeführte Stoffe, die Gewürzprodukte in der Regel strecken. Daher befassen sich Ernährungswissenschaftler und Pharmakologen verstärkt mit einer Möglichkeit die Bioverfügbarkeit, also die Verwertbarkeit des Curcumins im menschlichen Organismus, zu steigern.

Dieser Frage ist auch Professor Dr. Jan Frank vom Institut für biologische Chemie und Ernährungswissenschaft an der Universität Hohenheim nachgegangen. Er hat sich mit den Auswirkungen des Curcumins auf die Gesundheit beschäftigt. Dabei setzt er vor allem auf Kurkuma und Curcumin als Prävention diverser Krankheiten. Denn die Medizin wird sich über kurz oder lang vermehrt auf das Vorbeugen von Erkrankungen konzentrieren, anstatt diese erst zu behandeln, sobald sie ausgebrochen sind. In einem Projekt, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, erforschte Professor Dr. Frank die so genannte Curcumin-Mizellen-Formulierung. Mizellen sind in der Regel im Darm vorhanden und sorgen dort für die Fettspaltung. Das Forscherteam entwickelte naturähnliche Mizellen. Sie verpacken mit ihrer wasserlöslichen Hülle das fettlösliche Curcumin und können es in hoher Konzentration in den Körper schleusen. Dadurch wird es vom Magen-Darm-Trakt resorbiert und gelangt in hoher Dosierung in die Blutbahn. Kurkuma-Mizellen-Kapseln ermöglichen es, von den zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen des Curcumins zu profitieren.

Folglich sollte vor dem Kauf von Kurkuma geklärt werden, für welchen Einsatz die Pflanze gedacht ist. Für einen therapeutischen Einsatz mit höherer Wirkung müsste auf Kurkuma-Tabletten zurückgegriffen werden.

„Neueste Forschungen bestätigen die höchste Bioverfügbarkeit von Curcumin durch Mizellen-Formulierung.“

Fazit: Wirkung von Kurkuma bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die regelmäßige Einnahme von Kurkuma könnte insbesondere zusammen mit einer gesunden Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf einen wertvollen Beitrag zur Gesundheit von Herz, Blutdruck und Gefäßen leisten. Dadurch kann das Risiko für Folgeerkrankungen minimiert werden. Folgende Wirkungen konnten in Studien zur Kurkuma-Pflanze nachgewiesen werden:

  • Curcumin hat antioxidative Fähigkeiten, die sich positiv auf das LDL-Cholesterin auswirken können
  • Es wirkt antientzündlich und könnte so die Entzündungsreaktionen im Körper hemmen, die zu diversen Erkrankungen des Herzens und der Gefäße führen
  • Es könnte effektiv das Cholesterin senken und somit auch das Risiko für Aateriosklerose reduzieren
  • Curcumin hemmt gezielt das Fettzell-Wachstum und kann dadurch Übergewicht und Adipositas vorbeugen
  • Curcumin könnte Adipogenese reduzieren und somit den Blutfluss fördern
  • Es könnte andere koronare Herzkrankheiten positiv beeinflussen

Quellenverzeichnis

  1. Arteriosklerose Ursachen und Entstehung  http://www.arteriosklerose.org/ursachen/
  2. Interview mit Professor Dr. Jan Frank (Ph. D.), Universität Hohenheim, Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft bundesregierung.de
  3. Quiles JL, et. al, 1998. An ethanolic-aqueous extract of Curcuma longa decreases the susceptibility of liver microsomes and mitochondria to lipid peroxidation in atherosclerotic rabbits. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9699009
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